Galerie Netzwerk 

neustrasse 10 trier

 

 

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teilnehmen, sich äussern, diskutieren

 

vom 27 Juni bis 27 Juli 2019

 

LAB Zukunft - Netzwerken für Trier und Umwelt

 

 

Die Galerie Netzwerk sieht sich der Nachhaltigkeit verpflichtet

 

 

 

 

Eine der Charakteristika der Galerie Netzwerk ist es, dass wir uns immer Freiräume erhalten wollen, in der Planung und in der Auswahl unserer Aktivitäten. So legen wir die Themen und Eröffnungen der geplanten Ausstellungen immer nur grob fest. Das Hauptaugenmerk unserer Veranstaltungen liegt natürlich auf der künstlerischen Auseinandersetzung, allerdings war es aber auch von Anfang an geplant, andere Themenbereiche wie Architektur, Stadtplanung und Umweltschutz aufzugreifen. Klimaschutz ist gleichfalls unser Thema, schon seit Jahrzehnten, und nicht erst seit den jüngsten Bewegungen.

 

 

In einer neuen Zeit der digitalen Schnelllebigkeit und großen globalen soziopolitischen Veränderungen sollte man seine Ideen und Zielsetzung stetig hinterfragen und neu ausrichten. Auch wenn das Erscheinungsbild der Galerie nach außen hin dadurch eventuell sprunghaft erscheinen und erstaunen mag, so nehmen wir dies gern in Kauf. Wir schätzen unsere Unabhängigkeit und leiten die Galerie Netzwerk im Herzen der Stadt mit einer großen Leidenschaft für die Kunst und die Lebensqualität,  Lebensfreude! Trier, seine Kultur und Bürger liegen uns am Herzen - wir wollen etwas bewegen, denn die Verantwortung für eine lebenswerte Zukunft geht uns alle etwas an. Wir alle sollten jetzt mitreden, diskutieren und aktiv werden.

 

 

Junge Menschen haben zum Glück angefangen, Dinge in die Hand zu nehmen. Die Klima-Aktivistin Greta Thunberg und ihre Bewegung Fridays for Future wurden gerade von Amnesty International als „Botschafter des Gewissens“ ausgezeichnet, eine großartige Ehrung, die anspornt. Eine Wegweisung, nicht weiter wegzuschauen.

Unsere Erde hat begrenzte Ressourcen - Fragen des Wachstums und Wohlstands müssen überdacht werden. Bewusst leben und handeln sollten selbstverständlich werden.  Wobei die Antworten und Lösungen nicht eindeutig sind. Was können wir als Einzelne und als Gemeinschaft dafür tun, dass durch die Auswirkungen unserer jetzigen Lebensweise den nächsten Generationen eine noch einigermaßen intakte Umwelt bleibt? Wie können wir Politiker und  Wirtschaft dazu bewegen, nicht nur kurzfristig und alternativlos zu entscheiden? Was kann eine Stadt tun?

 

 

„Die größten Umweltprobleme sind Egoismus, Gier und Gleichgültigkeit! Um mit ihnen fertig zu werden, brauchen wir einen kulturellen und spirituellen Wandel. Und wir Wissenschaftler wissen nicht, wie man das macht.“

 

Gus Speth, Professor für Umweltpolitik und Nachhaltige Entwicklung, Yale Universität (USA) und Chefberater der Nationalen Umweltkommission unter Carter und Clinton

 

 

 

DIE GALERIE NETZERK NIMMT STELLUNG

 

 

Eine neue Aktion ist geplant, mit dem Ziel sich spielerisch, künstlerisch und auch dokumentarisch mit dem Thema „Zukunftsgestaltung der Stadt Trier“ auseinanderzusetzen. Was können wir als Bürger direkt tun? Wir wollen etwas bewegen mit Freude an Veränderung!

 

Akteure jeglicher Couleur werden eingeladen, seien es Künstler, Schriftsteller, Vereine, Parteien, Organisationen, Stadtverwaltung, Stadtbezirke, Bürgerbewegungen, ... ihre Meinung kundzutun, darzustellen, ihre Ideen, Ziele, Perspektiven, Projekte, Bestimmungen und Forderungen. Gerade auch die Stadtverantwortlichen sind eingeladen. Dies kann geschehen in Form von Schriften, Zeichnungen, Fotos, Broschüren, Dokumenten, Liedtexten, Bildern ... 

 

Dokumente können abgelegt, ausgestellt werden und die Wände der Galerie dienen der Gestaltung: Hier ist alles erlaubt, was gefällt und sinnvoll ist, es darf gemalt, gezeichnet, geschrieben, geklebt werden.

Ein lebendiger Prozess soll stattfinden, er darf kontrovers sein, hinterfragen, provozieren, informieren. Die einzelnen Beiträge sollten ausgewogen in ihrer Größe sein.

 

 

Eine traditionelle Vernissage wird nicht stattfinden, da wir mit leeren Wänden die Aktion am 27. Juni 2019 sanft beginnen. Während den anschließenden vier Wochen sind wir dann auf das Mitwirken einer interessierten Bürgerschaft angewiesen.

 

Gezeigt werden dürfen auch Fotos von Trier, ältere wie auch aktuelle - eine kunstvolle Note dürfen sie gerne ausstrahlen. Hauptaugenmerk liegt aber schon im Wandel und den Zukunftsideen, eine traditionelle Stadt wie Trier sollte sich zukunftsorientiert und nachhaltig geben.

 

Individuelle Abende, Vorträge, Präsentationen, Projektionen können gerne organisiert werden. Vereine, welche sich mit dem sozialen, urbanen und kulturellen Leben beschäftigen, dürfen die Räume nutzen, um sich vorzustellen. Auch wenn das Ganze eher kurzfristig ins Leben gerufen wird, so bleibt die Spontanität und der Versuch, einen ersten Schritt zu tun, um zu schauen, ob solche Aktionen überhaupt Sinn machen. Wir glauben daran, dass es der richtige Moment ist, Menschen zusammenzuführen, die konkret an der Mitgestaltung unserer Stadt Interesse haben. 

 

 

So sehen wir die Hauptaufgabe der Aktion auch hauptsächlich darin, die verschiedenen Akteure aus ihren jeweiligen Ecken herauszulocken und zu schauen, ob man eine gemeinsame Plattform entwickeln kann, auf der Synergien wachsen können.

 

Mitmachen darf, kann, sollte jeder, der etwas zu sagen hat, der etwas zeigen möchte, was seiner Meinung nach der Zukunft der Stadt von Bedeutung sein könnte. Die Lust am Mitmachen, der Wunsch sich einzubringen - die Galerie Netzwerk bietet, gemäß ihrem Namen, den Raum zum Austausch von kontroversen Meinungen, von festgefahrenen Denkmustern sich loszulösen.

 

 

Die individuellen Arbeiten sollten einen überschaubaren Rahmen nicht überschreiten. Um einen ausgewogenen, angemessenen Querschnitt an Ideen zu garantieren, wird gemeinsam über die Anbringung an den Wänden / Projektionen nachgedacht, auch damit sich eine interessante dichte Ausstellung entwickeln kann. Wir mögen kein allzugrosses Regelwerk ...

 

Es ist ein Experiment und Neuland - eine spontane, wie wichtige Aktion, die uns sehr am Herzen liegt. Die Galerie war immer auch als Labor konzipiert, wo sich Ideen und Prozesse entwickeln können. Und der Name Netzwerk sollte auch immer Programm sein, Menschen, Generationen und Institutionen zusammenzubringen.

 

 

Und so hoffen wir auf eine breite, vielfältige Teilnahme, auf dass sich neue überraschende Ideen in den vier Wochen entwickeln … wir wollen ja auch nicht direkt die ganze Welt retten, aber allein das Gefühl, vermehrt im Kollektiv für eine nachhaltige und gerechtere Welt einzustehen, ist ein großer Anreiz!

 

Gemeinsam diskutieren und handeln für eine lebenswerte Zukunft in unserer Stadt.

 

Die Galerie Netzwerk glaubt daran!

 

 

Bettina Ghasempoor & Marc Kalbusch

 

18. Juni 2019

 

 

 

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Annamalt und die Galerie Netzwerk nehmen teil...

 

mal-aktion 

 

während dem

 

 

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ANNAMALT

17. Mai  bis 23 Juni 2019

Vernissage  17 Mai ...19.00

 

 

 

 

Helmut Schwickerath:

 

Rede zur Eröffnung der Ausstellung Annamalt

 

Ich bin schon angehalten worden, mich zu beherrschen und nicht ganz übel herum zu polemisieren oder gar den öffentlichen Frieden zu stören, - und trotzdem muss ich die Frage stellen, wieso die weit über die Region hinaus bekannte, engagierte Künstlerin Annamalt - deren Bilder ich seit 12 Jahren kenne - noch nie eingeladen wurde, in dieser unserer Mini-Kulturhauptstadt umfassend auszustellen.

Einen der möglichen Gründe sehe ich darin, dass löbliche Formen der Demokratisierung in öffentlichen Institutionen (wie z.B.

der Tufa) unmerklich zur bewusstlosen Bürokratie versteinern – da gibt es keine spontanen Entscheidungen mehr.

Zweitens:

Im Gegensatz beispielsweise zu Musikern – die auf einander angewiesen sind, und zu Schauspielern – die eigentlich nur einen

kreativen Intendanten und Regisseur brauchen - pinseln, kneten, wischen und konzipieren Bildende Künstler allein vor sich hin und zeigen wenig Neigung, sich - außer zu Stil-Klüngeln und angeschlossenen Galerien - gemeinsam zu organisieren.

Das positive Gegenteil habe ich in 50 Jahren Trier nur einmal erlebt: Als ein neuer Kulturdezernent gefunden werden musste, brach

eine so heftige Diskussion über die gewünschte Qualifikation aus, dass sogar eine der beteiligten Stadtrats-Parteien (die SPD) auseinander brach.

Heutzutage reicht eine Vereinbarung zwischen zwei Parteien (CDU und GRÜNE) aus: „Unterstütze Du meinen Kandidaten,

dann kriegst Du auch unsere Stimmen für Deinen!“ Dieses Kriterium reicht natürlich allenfalls für einen Party-Dezernenten.

 

Ein anderer Grund für die Negierung der Künstlerin Annamalt ist mit Sicherheit die Art, WIE und WAS sie malt.

Ihre Bilder sind ein Amalgam aus Themen, Überzeugungen, Erinnerungen und Informationen, die sie in einer Collage aus

Figuren, Details, Zitaten und freien Farbschwüngen auf die Leinwand bringt.

Der letzte Trierer Maler, der so etwas konnte – man nannte ihn damals lobend „Farbschwein“ - war Anton Veit; er beschränkte sich allerdings auf Landschaften und Stilleben, konnte damit bei den Bürgern nicht anecken und war sehr gut und erfolgreich. 

 

Figürliche Malerei steht heute bei sogenannten Kunstkennern unter dem Verdacht, von gestern zu sein, möglicherweise deshalb,

weil sie es nicht können. Gegenständliche Malerei war im Deutschland der Nachkriegszeit schon sehr früh „out“. Das lag zum einen an der Nazi-Kunst, von der die meisten die Nase voll hatten, zum anderen am Nachholbedarf in Sachen moderner, abstrakter (ehemals „entarteter“) Kunst.

Bei uns in der Französischen BesatzungsZone wurde der Impressionismus und später der Tachismus bzw. die Ecole de Paris Unterrichtsinhalt in den Gymnasien. Dada und Surrealismus kamen kaum vor.

 

Mit dieser Vorbildung habe ich in den späten 50er Jahren in Saarbrücken studiert - an der „Schule für Kunst und Handwerk“, die von den saarländischen Banausen auch „Schule für Schund- und Schandwerk“ genannt wurde.

Die Schule orientierte sich am Bauhaus. Ich war im Atelier von Boris Kleint, einem ehemaliger Meisterschüler von Kandinsky,

und plagte mich mit malerischen Versuchen, eine menschliche Gestalt auf die Leinwand zu bringen.

Jedesmal, wenn ich morgens (bzw. nachmittags) ins Atelier kam, waren meine Bilder mit dem Gesicht zur Wand gestellt.

Schließlich fragte ich meine Mitmaler, wer das gemacht habe - und warum? Nun, es war der Meister selbst, für den der Anblick einer figürlichen Darstellung in seinem Atelier anscheinend nicht zu ertragen war.

 

Später wurden uns dann die amerikanischen Abstrakten aufs Auge gedrückt und von den Meinungsmachern freudig akzeptiert. Diese überdimensional großen Farbkompositionen füllten vor allem Museen, Banken- und Industrieräume. Heerscharen von Interpreten und Propagandisten machten uns glauben, dass sich hier der reine Geist offenbare – in Wirklichkeit war es das unreine Kapital.

 

Vor einiger Zeit – und das sind keine FakeNews - wurde belegt, dass die CIA den Erfolg der Abstrakten mit einem großen Etat unterstützt hat, so wie sie auchdie damals renommierte literarische Zeitschrift „Der Monat“ finanzierte. Als Nebenprodukt der Kampagne (oder als Intention)verlagerte sich der internationale Kunstmarktvon Paris nach New York. America first!

 

In diesem Zusammenhang muss ich den großen Bildhauer Alfred Hrdlicka ( 2009 mit 81 Jahren verstorben) zitieren, der sich

folgendermaßen unflätig geäußert hat: „Die, die die abstrakte Kunst machen, und die, die sie konsumieren, sind eigentlich Schwachköpfe, sie sind biedere, einfache Seelen...

Während Kunst, wie ich sie verstehe, Bereiche abdeckt von der Psychiatrie bis zur Politik, wollen sie ein Bild an der Wand,

das das Zuhause gemütlich machen soll; das ist ihre wahre Mentalität. Sie haben ein schlichtes Gemüt, und schlichte Gemüter haben immer eine Sehnsucht nach dem Geistigen.“

 

Es ist ja unstrittig, dass Annamalt´s Bilder das Heim nicht gemütlich machen, sondern womöglich zu Heimflucht und Trunksucht

führen. Steigt also als Gegenmittel die Sehnsucht nach dem Biedermeier proportional zur Undurchschaubarkeit und Grausamkeit deruns umgebenden Welt, gegen die kein Kraut gewachsen ist, und die man gar nicht erst darstellen soll?

 

Ein besonders dumm-stolzes Vorurteil gegen figürliche Darstellung richtet sich gegen die „sogenannte Kunst“ der

„sogenannten“ DDR. Und tatsächlich fallen mir nur vier oder fünf DDR-Maler ein, die für mich richtig gut waren – trotz (oder wegen) der Gegenständlichkeit. Bei unseren WestArtisten führen immerhin zwei oder drei die Welt-Einkommens-Charts an (und einer davon ist ein ehemaliger Ossi).

 

Es ist allerdings nicht so, dass das zeichnerische und malerische Können, kombiniert mit der guten Absicht, den Bildbetrachter zur Erkenntnis und zum Bewusstsein seiner elenden Existenz zu bringen, schon die Qualität eines Bildes ausmacht. Nicht umsonst ist der Ausspruch „gut gemeint“ das schlimmste Verdikt im Bereich von Literatur und Kunst.

 

Ich bin mit Annamalt einer Meinung und drücke sie mit den Worten von Peter Hacks aus:

 

„Eingestandenermaßen ist die Kunst eine Waffe. Eingestandenermaßen ist ein Holzhammer eine Waffe. Nach Aristoteles folgt

hieraus nicht, dass die Kunst ein Holzhammer sein müsse...

Eher folgt, dass die Kunst eine um so bessere

Waffe sei, je bessere Kunst sie ist.“

 

 

gegeben zu Kyllburg, am 20.05.2019, um 23.45 Uhr

schwick

 

 

 

 

 

 

 


Die Bilder


Mit Annamalt tritt nun eine Künstlerin auf, die aus unbekannten Gründen in Trier bisher nicht die Würdigung erfahren hat, die ihr zukommt.  Die größte Schau ihrer Leinwand-Bilder hatte im Jahr 2010 in Kyllburg stattgefunden. Im Kreuzgang der gotischen Stiftskirche hatte Annamalt 26 großformatige (ca. 2x3 m) Bilder und mehrere kleinere Formate gehängt.


Über tausend Besucher waren gezählt worden. Die lebhaften Kommentare und Auseinandersetzungen entzündeten sich – damals wie heute – an der Thematik der Werke und an den Texttafeln, auf denen Edward Naujok präzise Beschreibungen und Deutungen vorgenommen hatte.


Die Entstehungsdaten der Bilder reichten von 2003 bis 2009. Themen waren z.B. der Völkermord in Ruanda, die Unterdrückung der Palästinenser, die Kriege in Afghanistan und Irak, Präsident Bush, aber auch das deutsche „Fußballmärchen“ des Jahres 2006 und das Glück im Müllcontainer, in dem die Armen und Obdachlosen nach verwertbaren Essensresten wühlen.


Die Bildthemen von Annamalt hat Jacques Berndorf, der vor seiner Krimizeit selbst Kriegs- und Sozialreporter war, in seiner Einführungsrede meisterlich beschrieben: „Sie malt verstörende Bilder, sie malt Reportagen, sie malt Kriegsschauplätze, wobei dieser Krieg in unseren Hinterzimmern und Höfen spielt, aber durchaus auch im Irak oder Afghanistan...   Krieg ist Krieg, auch da, wo Kinder nichts zu essen haben, und erst recht dort, wo Frauen um ihre Söhne weinen...“ (Katalog „Grenzüberschreitung“, Kyllburg 2010)


Der Stil von Annamalts Bilder ist mit „expressionistisch“ nur unzureichend benannt. Sie malt nichtnur aus dem Bauch heraus  –

in dem angeblich die Wahrheit sitzt. Christian Jöricke beschreibt die Methode genauer:  „Die in aufwändiger Recherche gesammelten Informationen verdichtet sie mit den gewonnenen Erkenntnissen und fügt sie zu expressiv gemalten

Bildmontagen zusammen.“ (16 VOR 01/2015)


Es lohnt sich, länger vor den Bildern auszuhalten und die Bedeutung der vielen Details, die sie wie in einer Collage

zusammenbaut, herauszufinden. Es lohnt sich auch, den kompositorischen Methoden nachzuspüren, die das Bild zu einer vielfältigen Einheit zusammenfügen.


Die Ausstellung ANNAMALT in der Galerie Netzwerk


Beim Eintreten in die Galerie sieht sich der Besucher gleich einem programmatischen Bildnis der Malerin gegenüber. In wild aufgetragenen Farben schreitet sie als Kämpferin auf die Betrachter zu – der Blick mutig, optimistisch, eine Waffe in der Hand(halb Pinsel, halb Gewehr), aus deren Mündung Farbgeschosse sprühen.


Das Bild ist Programm und gleichzeitig die triumphale Rückkehr von Annamalt in ihre Malerei. Lange hatte sie sich mit dem Tod ihres Lebensgefährten und künstlerischen Partners Edward Naujok auseinandergesetzt, dem sie auch diese Ausstellung widmet.


Die Galerie Netzwerk stellt neben früheren, politischen Arbeiten aus dem Spannungsfeld „Krieg und Gesellschaft“ vorrangig neue, meist großformatige Bilder zu den Themen „Krankheit und Tod“ aus.  Der Blick in die eigene Befindlichkeit gab wohl auch den Anlass zum Blick in die eigene Kindheit.   Da gibt es liebevolle Erinnerungen aber auch traumatische Erlebnisse, die sie zu

Bildern verarbeitet.


Das schockierende Selbstbildnis als junges Mädchen mit den toten Augen und dem zugenähten Mund ist nicht als surrealistischer Effekt gemeint.   Es beschreibt, wie die Großmutter auf ihrem Schoß gestorben ist und niemand aus ihrer Umgebung jemals darüber gesprochen hat.   Das Bild ist sowohl von der Komposition als auch vom Umgang mit der Farbe her ganz anders als die vorherigen Gemälde.      Man darf gespannt sein, wie es mit Annamalts Malerei weitergeht.


Der dritte Raum der Galerie, der nach hinten zum Garten gelegen ist, wird als Atelier inszeniert. Staffeleien und eine Vielzahl von bemalten Leinwänden suggerieren den Arbeitsplatz der kreativen Künstlerin, wo die bereits fertigen Bilder gute Freunde sind, die ihr bei der Arbeit zuschauen.


Die Kunst von Annamalt wird in mehreren deutschen Städten und Europa gezeigt.. Vielen Trierern ist sie durch ihre aufwändige Gestaltung der  "Kunstbrücke Gartenfeld; 2017"  und ihrem Mitmach-Kunstprojekt  "Willkommen - Hand in Hand mit Europa";

in Erinnerung.   
Für ihr künstlerisches Schaffen erhält Annamalt gemeinsam mit Edward Naujok 2014 den rheinland-pfälzischen Friedenspreis.
Annamalt lebt und arbeitet im "Künstlerhaus Föhren"  - ein Lebensprojekt des Künstlerpaars  Annamalt/Edward Naujok. 

 


Fakten zur Ausstellung:
Ausstellungstitel: "ANNAMALT"
Künstler - Ort:  Annamalt - Föhren/Trier


Ausstellungsdauer: 17.05.-23.06.2019
Ausstellungsort: Galerie Netzwerk, Neustraße 10, 54290 Trier
www.facebook.com/galerienetzwerk/
Vernissage: 17.05.2019, 19 Uhr
Einführung: Helmut Schwickerath (Kurator, Künstler, Kunsterzieher,Journalist)
Öffnungszeiten:  Di,Mi,Do 14-19 Uhr  /  Fr 11-21 Uhr  /  Sa 11-19 Uhr / Sonn- und Feiertage 11-16Uhr
Special Event mit Steff Becker & Angela Simons (Cello-Gitarre-Gesang) :  24.05.2019, 19 Uhr,
Finissage: 23.06.2019, 16 Uhr
Kontakt: Annamalt, Mobil (+49) 176 43667392, mail@annamalt.de
Homepage: www.annamalt.net , www.galerie-netzwerk.de

 

 

 

 

 

 

 

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Interna

Seit Mitte März verstärkt die Französin SARAH BELLI unser Team für 3 Monate als Praktikantin

 

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Galerie Netzwerk

Räume der Kunst, der Kommunikation und des gesellschaftspolitisch-kulturellen Austausches.

 

In der Trierer Innenstadt, mitten in der Fußgängerzone, können seit über einem Jahr Besucher wie Einheimische einen Ort entdecken, der sie mit auf Reisen nimmt. Die monatlich wechselnden Ausstellungen werden von sehr unterschiedlichen Künstlern, kreativen Menschen und ihren persönlichen Interaktionen getragen - solch eine Galerie zu führen ist eine Herzensangelegenheit.

 

Nicht der kommerzielle Aspekt ist die treibende Kraft, sondern der Wunsch seiner Stadt eine Adresse zu bieten, die überwiegend regionalen Künstlern die Möglichkeit gibt, ihre künstlerische Botschaft mitteilen zu können. Ein Austausch entsteht, um Menschen miteinander zu vernetzen und die Kunst zu fördern. Eine interessante Kunstausstellung ist immer Ansporn und Inspiration und dies soll weitergetragen werden ... wieder kann etwas Neues entstehen.

 

Kunst soll bewegen, zum Nachdenken anregen und Menschen zusammenbringen, daher ist der Wunsch, anspruchsvolle Werke zu zeigen, entsprechend groß. Die Künstler selbst sind in der Regel während der Ausstellungszeit anwesend und können direkt von ihren Arbeiten erzählen. Denn zeitgenössische Kunst ist nicht unbedingt einfach zu verstehen und es braucht Zeit und Interesse, sich damit auseinanderzusetzen. Diese Zeit kann man sich hier nehmen, auch weil viele zusätzliche Veranstaltungen diesen Austausch fördern. Ob Live-Musik, Lesung, Diskussionsrunde, Führung, Kurse, ... es passiert immer etwas in der Neustraße 10 - die Künstler werden ermutigt, sich etwas einfallen lassen, um den Kunstgedanken und ihre Werke bestmöglich zu vermitteln.

 

Natürlich soll auch die Sammelleidenschaft der Besucher geweckt werden, damit der Künstler eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit erlangen kann. Kein leichtes Unterfangen in heutigen Zeiten. „Kultur ist das Herz einer Gesellschaft“ - diese Botschaft sollte wieder stärker ins Bewusstsein rücken, auch deshalb möchte die Galerie Netzwerk für Trier ein offener Ort der kulturellen Begegnung sein, für jedermann. Das Programm der Galerie ist nicht auf Gefälligkeit ausgerichtet, sondern soll die ganze Bandbreite künstlerischen Schaffens reflektieren, die Kontroversen nicht ausschließen, politische und soziale Standpunkte aufgreifen und hinterfragen. Jedoch ist nicht die vordergründige Provokation des Publikums Programm, sondern es geht uns stets um die bewusste Erweiterung menschlicher Rezeption.

 

Wer neugierig ist und die geöffnete Eingangstür hinter sich gelassen hat, wird einen Gegenpol zur heutigen schnelllebigen Konsumgesellschaft entdecken - tatsächlich ist die Hemmschwelle für viele immer noch groß, eine Kunstgalerie zu betreten - umso überraschter und interessiert sind die Gäste anschließend. Hinter dem vorderen Galerieraum befinden sich noch zwei weitere Ausstellungsräume, die in einen reizvollen Stadtgarten münden, der zum Verweilen einlädt, zum gegenseitigen Kennenlernen und Diskutieren. „Großstadtflair“ und „Wohlfühloase“, die Besucher sind begeistert und versprechen wiederzukommen, auch um die Gespräche fortzuführen. Und dabei geht es nicht immer nur um die Ausstellungsstücke oder Kunst allgemein. Gesellschaftspolitik, Stadtentwicklung, Klimakrise, ... die Themen sind vielfältig - die Galerie Netzwerk tritt bewusst unabhängig, unangepasst und kontrovers auf.

 

Die Galerie selbst, in der Vielfalt ihrer Ausstellungsflächen, ist kein statisch festgezurrtes Gebilde, sondern entwickelt sich ständig weiter, es wird umgestaltet, der Garten und Gartenhaus können gleichfalls als Ausstellungsfläche einbezogen werden. Der Kooperation mit anderen ortsansässigen Galerien oder Vereinen stehen wir sehr positiv gegenüber; auch als Mitorganisator an anderen Orten könnte eine Beteiligung stattfinden.

 

Gerne zeigen wir in Zukunft auch Werke von gestandenen, älteren Künstlern, die auf ein bedeutendes Lebenswerk zurückblicken können. Aber andererseits ist es ein besonderes Anliegen der Galerie, jungen Menschen den Zugang zum Kunstmarkt zu erleichtern und so bemühen wir uns, aufstrebenden Talenten schon recht frühzeitig adäquate Ausstellungsmöglichkeiten anzubieten. So ist es auch Ziel, als kulturelles Aushängeschild einer Fachhochschule oder Universität aufzutreten, ohne auch hier unsere Unabhängigkeit und Identität zu verlieren.

 

Die Ausstellung „Anonymous Identity - Pulp 19“ ist Zeugnis davon, wie wir junge Menschen und Studenten erreichen: 12 junge Grafikkünstler, aus neun Nationen! zeigen eigenständige Installationen und wertvolle Papierarbeiten aus selbstgeschöpftem Papier mit ihrem Professor und Künstler Alexander Harry Morrison im Zeitraum vom 18.4. - 12.05.19.

 

Nach vielen Installationen, Fotografie-, Konzept- und Crossover-Künstlern kehren wir ab Mitte Mai wieder zu einer reinen Malereiausstellung zurück: Großformatige, wandfüllende, figurative Gemälde von hoher Intensität der Künstlerin Annamalt werden fünf Wochen lang präsentiert. Die Friedensaktivistin arbeitet an sozialkritischen Themen, wobei der Mensch im Mittelpunkt steht.

 

Um eine bessere permanente Belebung der Räume zu gewährleisten, ist inzwischen geplant, in der zweiten Jahreshälfte, im vorderen Bereich der Galerie zur Neustraße, ein Kulturcafé zu betreiben ... die Baugenehmigung läuft ... jetzt liegt es an der Stadt.

 

Kultur als Standortfaktor. Kultur wirkt förderlich für die gute Reputation, für Sympathie und Glaubwürdigkeit. „Im Gegensatz zur Wirtschaft ist die Kultur, eine Bereicherung für jedermann!“

 

 

 


Photo: Andreas Hamacher