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neustrasse 10   trier

 

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Approach to something that does not exist

 

Interaktive Zeichenperformance mit Klaus Maßem

 

Freitag 18. Oktober 2019   19:00 Uhr bis 23:00 Uhr

 

 

Der Zeichner Klaus Maßem zeichnet mit verschiedenen Laserpointern in einem verdunkelten Raum auf eine große Filmprojektions-Leinwand, benutzt also keine Materialien und Bildträger im herkömmlichen Sinne. Die Besucher können wie der Künstler nur die sich bewegenden Lichtpunkte sehen. Fotografieren die Zuschauer währenddessen das Geschehen mit Langzeitbelichtung (am besten auf Stativ), dann sind die Zeichnungen mittels einer Digitalkamera umgehend zu sehen (mit einer Analog-Kameranach der Filmentwicklung). Vom gezeichneten Bild selbst, bleibt jedoch nichts. Es hat nie existiert.

 

Durch die verschiedenen Standorte der Besucher/Fotografen im Raum und durch die unterschiedlichen Einstellungen der Kameras entstehen so diverse Originale von ein und derselben Zeichnung, die an sich nicht existent ist. Der Betrachter, sonst nur Konsument, kann als Fotograf mit der Kamera als Werkzeug die Zeichnungen beeinflussen und verändern. Er wird somit zum Autor der Bilder. Zudem wird die Folge der Bild-Betrachtung umgekehrt - sieht doch normalerweise der Künstler seine Werke zuerst. Durch die Interaktion zwischen Künstler und Fotograf entsteht eine einzigartige Symbiose. Sie stellt nicht nur die Existenz der Zeichnung infrage, sondern stellt auch die Frage nach dem Original.

 

Der Zeichner zeichnet ca. 4 Stunden mit kurzen Pausen. Die Zeichnungen werden in einem Zeitraum von wenigen Sekunden bis zu einer Minute durchgeführt. Nach jeder Zeichensequenz wird das Licht angeschaltet um die Resultate zu betrachten, um Einstellungen an der Kamera zu verändern und um es den Besuchern zu ermöglichen den Raum zu verlassen oder betreten zu können. Bei Zeichnungen von einigen Minuten haben die Fotografen die Möglichkeit entweder eine längere Dauerbelichtung oder viele kurze Ausschnitte festzuhalten, so dass viele verschiedene Arbeiten entstehen. Details oder Ausschnitte einer Zeichnung

sind so nur in der Handzeichnung mit Licht zu verwirklichen und werden so neu definiert.

 

Die Fotografen sollten die Möglichkeit haben ihre Arbeiten hier auf der Webseite zu veröffentlichen.

Eine Voranmeldung zur Teilnahme ist erwünscht.

 

Bei Veröffentlichungen sind der Fotograf und der Zeichner als Autoren zu nennen.

 

Bisher durchgeführte Interaktive Zeichenperformances:

 

2018 „Expectation of the Real“, Prix d’art Robert Schuman Metz#2018, École Supérieure d’art de Lorraine,

2017 „Lost in Creation“, Kunstverein Trier Junge Kunst, Europäische Kunstakademie Trier

2016 „Finding by Loosing“, kunstraum generator, Universität Trier

2014 „Pics Picker Messenger Service“, Licht und Videokunstfestival #3, Shedhalle, Tübingen

2014 „A Lot of Nothing“, Bananefabrik, Luxembourg Ville, Luxemburg

2012 „I have, you don´t“, Kunstprojekt Die Kathedrale von Rainer Breuer „Reliquie – Fetisch in Kirche, Kunst und Konsum“

 

 

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Ausstellung

Spalten

von

 

Stefan Seffrin

 

20. 9. 2019 - 12.10.2019

 

 

 

 

S p a l t e n
Es ist ein archaischer Akt dieses Holzhacken, Brennholz herzustellen, der Mensch und das Feuer, eine sehr lange Entwicklungsgeschichte, wir spalten heute immer noch, dieses Holz, so wertvoll, so natürlich, stark und doch bezwungen durch uns, den Menschen, der sich die Wälder untertan macht, sie rodet und vernichtet, gerade jetzt wieder vermehrt in Regenwäldern, Zerstörung durch Feuer. Wer sind wir, der wir die Axt heben und uns die Welt untertan machen, unsere Welt, die wir doch brauchen zum Leben, zum Atmen, zum Sein ... Sind wir nicht selbst gespalten in dieser Hybris, das zuzerstören, was uns doch so wichtig, so heilig ist?
Die Axt. Nicht nur Werkzeug, sondern auch Symbol der Macht, der Unterwerfung. Ein Kraftakt, eine Anstrengung. Aber dann auch Erleichterung, Befreiung. Freude bei diesem Akt der Zerstörung, Stolz über den Erfolg, Zufriedenheit.
Der Akt der Spaltung, der sich wiederholt, immer wieder, aus der gleichen Perspektive, ausgeführt durch Menschen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, durch Alter, Geschlecht, Stärke, Aussehen ... vereint in ihrer Natürlichkeit, denn kein Schmuck gibt Status oder Bedeutsamkeit an  - der Akt selbst steht im Mittelpunkt und die Auswirkung auf den Menschen!
Der Fotograf Stefan Seffrin sagt dazu: „Der Schlag mit der Axt fügt dem Holz eine Wunde zu, die sich nicht mehr schießen wird. Die Spaltung ist ein Akt der Zerstörung und auch der Heilung: Der Blick in den Gesichtern der Menschen zeigt Schmerz und Wohlgefühl - Trotz aller genetischen, charakterlichen und kulturellen Verschiedenartigkeiten brennt in uns ein gemeinsames Feuer.

Es erscheint für einen Augenblick eine Welt ohne die Maske der sozialen Kontrolle. Aber es geht in dieser Ausstellung um mehr.

 

Drei Teilbereiche beschreiben seine Arbeit in den drei Räumen der Galerie, wobei die Axt ein zentrales Attribut darstellt: Der Grundgedanke besteht immer aus den drei Säulen: Zerstörung – Katharsis – Heilung.

Wobei die Katharsis genau das beschreibt: Das Sich-Befreien von psychischen Konflikten und inneren Spannungen durch emotionales Abreagieren.*Im ersten Raum dargestellt durch das Spalten der Holzscheite und die Macht des Menschen.

Im zweiten Raum weitet sich dieser Kraftakt aus: Die Axt als das Symbol der zerstörerischen Macht des Christentums durch das Fällen einer heidnisch verehrten Eiche: Der heilige Bonifatius bezeichnete die unter anderen dem Gott Donar geweihten Bäume als Götzenbilder. Mit der Fällung der Eiche wollte Bonifatius nicht nur symbolisch die Überlegenheit des Christentums über alte Götter und lokalen Kulte demonstrieren, sondern auch das Streben nach einer Neuordnung.* 

Die Überlegenheit des Christentums findet Ausdruck durch die Ambivalenz in Bezug zur Sexualität. Die Kraft der Evolution und das Streben nach Leben. Diese Macht, die in uns allen innewohnt. 

 

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Interna

Galerie Netzwerk

Räume der Kunst, der Kommunikation und des gesellschaftspolitisch-kulturellen Austausches.

 

In der Trierer Innenstadt, mitten in der Fußgängerzone, können seit über einem Jahr Besucher wie Einheimische einen Ort entdecken, der sie mit auf Reisen nimmt. Die monatlich wechselnden Ausstellungen werden von sehr unterschiedlichen Künstlern, kreativen Menschen und ihren persönlichen Interaktionen getragen - solch eine Galerie zu führen ist eine Herzensangelegenheit.

 

Nicht der kommerzielle Aspekt ist die treibende Kraft, sondern der Wunsch seiner Stadt eine Adresse zu bieten, die überwiegend regionalen Künstlern die Möglichkeit gibt, ihre künstlerische Botschaft mitteilen zu können. Ein Austausch entsteht, um Menschen miteinander zu vernetzen und die Kunst zu fördern. Eine interessante Kunstausstellung ist immer Ansporn und Inspiration und dies soll weitergetragen werden ... wieder kann etwas Neues entstehen.

 

Kunst soll bewegen, zum Nachdenken anregen und Menschen zusammenbringen, daher ist der Wunsch, anspruchsvolle Werke zu zeigen, entsprechend groß. Die Künstler selbst sind in der Regel während der Ausstellungszeit anwesend und können direkt von ihren Arbeiten erzählen. Denn zeitgenössische Kunst ist nicht unbedingt einfach zu verstehen und es braucht Zeit und Interesse, sich damit auseinanderzusetzen. Diese Zeit kann man sich hier nehmen, auch weil viele zusätzliche Veranstaltungen diesen Austausch fördern. Ob Live-Musik, Lesung, Diskussionsrunde, Führung, Kurse, ... es passiert immer etwas in der Neustraße 10 - die Künstler werden ermutigt, sich etwas einfallen lassen, um den Kunstgedanken und ihre Werke bestmöglich zu vermitteln.

 

Natürlich soll auch die Sammelleidenschaft der Besucher geweckt werden, damit der Künstler eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit erlangen kann. Kein leichtes Unterfangen in heutigen Zeiten. „Kultur ist das Herz einer Gesellschaft“ - diese Botschaft sollte wieder stärker ins Bewusstsein rücken, auch deshalb möchte die Galerie Netzwerk für Trier ein offener Ort der kulturellen Begegnung sein, für jedermann. Das Programm der Galerie ist nicht auf Gefälligkeit ausgerichtet, sondern soll die ganze Bandbreite künstlerischen Schaffens reflektieren, die Kontroversen nicht ausschließen, politische und soziale Standpunkte aufgreifen und hinterfragen. Jedoch ist nicht die vordergründige Provokation des Publikums Programm, sondern es geht uns stets um die bewusste Erweiterung menschlicher Rezeption.

 

Wer neugierig ist und die geöffnete Eingangstür hinter sich gelassen hat, wird einen Gegenpol zur heutigen schnelllebigen Konsumgesellschaft entdecken - tatsächlich ist die Hemmschwelle für viele immer noch groß, eine Kunstgalerie zu betreten - umso überraschter und interessiert sind die Gäste anschließend. Hinter dem vorderen Galerieraum befinden sich noch zwei weitere Ausstellungsräume, die in einen reizvollen Stadtgarten münden, der zum Verweilen einlädt, zum gegenseitigen Kennenlernen und Diskutieren. „Großstadtflair“ und „Wohlfühloase“, die Besucher sind begeistert und versprechen wiederzukommen, auch um die Gespräche fortzuführen. Und dabei geht es nicht immer nur um die Ausstellungsstücke oder Kunst allgemein. Gesellschaftspolitik, Stadtentwicklung, Klimakrise, ... die Themen sind vielfältig - die Galerie Netzwerk tritt bewusst unabhängig, unangepasst und kontrovers auf.

 

Die Galerie selbst, in der Vielfalt ihrer Ausstellungsflächen, ist kein statisch festgezurrtes Gebilde, sondern entwickelt sich ständig weiter, es wird umgestaltet, der Garten und Gartenhaus können gleichfalls als Ausstellungsfläche einbezogen werden. Der Kooperation mit anderen ortsansässigen Galerien oder Vereinen stehen wir sehr positiv gegenüber; auch als Mitorganisator an anderen Orten könnte eine Beteiligung stattfinden.

 

Gerne zeigen wir in Zukunft auch Werke von gestandenen, älteren Künstlern, die auf ein bedeutendes Lebenswerk zurückblicken können. Aber andererseits ist es ein besonderes Anliegen der Galerie, jungen Menschen den Zugang zum Kunstmarkt zu erleichtern und so bemühen wir uns, aufstrebenden Talenten schon recht frühzeitig adäquate Ausstellungsmöglichkeiten anzubieten. So ist es auch Ziel, als kulturelles Aushängeschild einer Fachhochschule oder Universität aufzutreten, ohne auch hier unsere Unabhängigkeit und Identität zu verlieren.

 

 

 

 

Kultur als Standortfaktor. Kultur wirkt förderlich für die gute Reputation, für Sympathie und Glaubwürdigkeit. „Im Gegensatz zur Wirtschaft ist die Kultur, eine Bereicherung für jedermann!“

 

 

 


Photo: Andreas Hamacher