Galerie NETZWERK

 

Ausstellungen 2019

 

ANNAMALT 

16 Mai - 23 Juni 2019

 

Helmut Schwickerath:

 

Rede zur Eröffnung der Ausstellung Annamalt

 

Ich bin schon angehalten worden, mich zu beherrschen und nicht ganz übel herum zu polemisieren oder gar den öffentlichen Frieden zu stören, - und trotzdem muss ich die Frage stellen, wieso die weit über die Region hinaus bekannte, engagierte Künstlerin Annamalt - deren Bilder ich seit 12 Jahren kenne - noch nie eingeladen wurde, in dieser unserer Mini-Kulturhauptstadt umfassend auszustellen.

Einen der möglichen Gründe sehe ich darin, dass löbliche Formen der Demokratisierung in öffentlichen Institutionen (wie z.B.

der Tufa) unmerklich zur bewusstlosen Bürokratie versteinern – da gibt es keine spontanen Entscheidungen mehr.

Zweitens:

Im Gegensatz beispielsweise zu Musikern – die auf einander angewiesen sind, und zu Schauspielern – die eigentlich nur einen

kreativen Intendanten und Regisseur brauchen - pinseln, kneten, wischen und konzipieren Bildende Künstler allein vor sich hin und zeigen wenig Neigung, sich - außer zu Stil-Klüngeln und angeschlossenen Galerien - gemeinsam zu organisieren.

Das positive Gegenteil habe ich in 50 Jahren Trier nur einmal erlebt: Als ein neuer Kulturdezernent gefunden werden musste, brach

eine so heftige Diskussion über die gewünschte Qualifikation aus, dass sogar eine der beteiligten Stadtrats-Parteien (die SPD) auseinander brach.

Heutzutage reicht eine Vereinbarung zwischen zwei Parteien (CDU und GRÜNE) aus: „Unterstütze Du meinen Kandidaten,

dann kriegst Du auch unsere Stimmen für Deinen!“ Dieses Kriterium reicht natürlich allenfalls für einen Party-Dezernenten.

 

Ein anderer Grund für die Negierung der Künstlerin Annamalt ist mit Sicherheit die Art, WIE und WAS sie malt.

Ihre Bilder sind ein Amalgam aus Themen, Überzeugungen, Erinnerungen und Informationen, die sie in einer Collage aus

Figuren, Details, Zitaten und freien Farbschwüngen auf die Leinwand bringt.

Der letzte Trierer Maler, der so etwas konnte – man nannte ihn damals lobend „Farbschwein“ - war Anton Veit; er beschränkte sich allerdings auf Landschaften und Stilleben, konnte damit bei den Bürgern nicht anecken und war sehr gut und erfolgreich. 

 

Figürliche Malerei steht heute bei sogenannten Kunstkennern unter dem Verdacht, von gestern zu sein, möglicherweise deshalb,

weil sie es nicht können. Gegenständliche Malerei war im Deutschland der Nachkriegszeit schon sehr früh „out“. Das lag zum einen an der Nazi-Kunst, von der die meisten die Nase voll hatten, zum anderen am Nachholbedarf in Sachen moderner, abstrakter (ehemals „entarteter“) Kunst.

Bei uns in der Französischen BesatzungsZone wurde der Impressionismus und später der Tachismus bzw. die Ecole de Paris Unterrichtsinhalt in den Gymnasien. Dada und Surrealismus kamen kaum vor.

 

Mit dieser Vorbildung habe ich in den späten 50er Jahren in Saarbrücken studiert - an der „Schule für Kunst und Handwerk“, die von den saarländischen Banausen auch „Schule für Schund- und Schandwerk“ genannt wurde.

Die Schule orientierte sich am Bauhaus. Ich war im Atelier von Boris Kleint, einem ehemaliger Meisterschüler von Kandinsky,

und plagte mich mit malerischen Versuchen, eine menschliche Gestalt auf die Leinwand zu bringen.

Jedesmal, wenn ich morgens (bzw. nachmittags) ins Atelier kam, waren meine Bilder mit dem Gesicht zur Wand gestellt.

Schließlich fragte ich meine Mitmaler, wer das gemacht habe - und warum? Nun, es war der Meister selbst, für den der Anblick einer figürlichen Darstellung in seinem Atelier anscheinend nicht zu ertragen war.

 

Später wurden uns dann die amerikanischen Abstrakten aufs Auge gedrückt und von den Meinungsmachern freudig akzeptiert. Diese überdimensional großen Farbkompositionen füllten vor allem Museen, Banken- und Industrieräume. Heerscharen von Interpreten und Propagandisten machten uns glauben, dass sich hier der reine Geist offenbare – in Wirklichkeit war es das unreine Kapital.

 

Vor einiger Zeit – und das sind keine FakeNews - wurde belegt, dass die CIA den Erfolg der Abstrakten mit einem großen Etat unterstützt hat, so wie sie auchdie damals renommierte literarische Zeitschrift „Der Monat“ finanzierte. Als Nebenprodukt der Kampagne (oder als Intention)verlagerte sich der internationale Kunstmarktvon Paris nach New York. America first!

 

In diesem Zusammenhang muss ich den großen Bildhauer Alfred Hrdlicka ( 2009 mit 81 Jahren verstorben) zitieren, der sich

folgendermaßen unflätig geäußert hat: „Die, die die abstrakte Kunst machen, und die, die sie konsumieren, sind eigentlich Schwachköpfe, sie sind biedere, einfache Seelen...

Während Kunst, wie ich sie verstehe, Bereiche abdeckt von der Psychiatrie bis zur Politik, wollen sie ein Bild an der Wand,

das das Zuhause gemütlich machen soll; das ist ihre wahre Mentalität. Sie haben ein schlichtes Gemüt, und schlichte Gemüter haben immer eine Sehnsucht nach dem Geistigen.“

 

Es ist ja unstrittig, dass Annamalt´s Bilder das Heim nicht gemütlich machen, sondern womöglich zu Heimflucht und Trunksucht

führen. Steigt also als Gegenmittel die Sehnsucht nach dem Biedermeier proportional zur Undurchschaubarkeit und Grausamkeit deruns umgebenden Welt, gegen die kein Kraut gewachsen ist, und die man gar nicht erst darstellen soll?

 

Ein besonders dumm-stolzes Vorurteil gegen figürliche Darstellung richtet sich gegen die „sogenannte Kunst“ der

„sogenannten“ DDR. Und tatsächlich fallen mir nur vier oder fünf DDR-Maler ein, die für mich richtig gut waren – trotz (oder wegen) der Gegenständlichkeit. Bei unseren WestArtisten führen immerhin zwei oder drei die Welt-Einkommens-Charts an (und einer davon ist ein ehemaliger Ossi).

 

Es ist allerdings nicht so, dass das zeichnerische und malerische Können, kombiniert mit der guten Absicht, den Bildbetrachter zur Erkenntnis und zum Bewusstsein seiner elenden Existenz zu bringen, schon die Qualität eines Bildes ausmacht. Nicht umsonst ist der Ausspruch „gut gemeint“ das schlimmste Verdikt im Bereich von Literatur und Kunst.

 

Ich bin mit Annamalt einer Meinung und drücke sie mit den Worten von Peter Hacks aus:

 

„Eingestandenermaßen ist die Kunst eine Waffe. Eingestandenermaßen ist ein Holzhammer eine Waffe. Nach Aristoteles folgt

hieraus nicht, dass die Kunst ein Holzhammer sein müsse...

Eher folgt, dass die Kunst eine um so bessere

Waffe sei, je bessere Kunst sie ist.“

 

 

gegeben zu Kyllburg, am 20.05.2019, um 23.45 Uhr

schwick

 

18 April - 12 Mai 2019

 

Pulp 19

Anonymus Identity

 

 

Anonymous Identity PULP19 ist ein interdisziplinäres Künstlerkollektiv, das durch seine interkulturellen Verknüpfungen ein neues Verständnis für Kunst sucht. Wie der Name schon andeutet (en. PULP = Brei, Mark) besteht die Gruppe aus 15 Künstlern aus 10 verschiedenen Ländern, die zusammen ein neues Gesamtbild ergeben sollen; ein Sinnbild für den Rohstoff aus dem neue Ideen geschöpft werden. Im Jahr 2018 hat die Gruppe durch die gemeinsame Papierherstellung zusammengefunden, sie teilten ähnliche Ansichten. Geprägt durch verschiedene kulturelle Routinen wollen sie die etablierten Grenzen der eigenen Kreativität sprengen und daraus einen konstruktiv lebendigen Raum inszenieren. Handgeschöpftes, recyceltes, zweckentfremdetes Papier und einen teilweise dadaistischen Entstehungsprozess zeichnen Kunstwerke aus, die sich mit Identität in unserer globalisierten Gesellschaft auseinandersetzen. Vom Lernen traditioneller, japanischer Washi Techniken über experimentelle Modekonzepte bis hin zur Integration moderne Technologie, stellt die Papierherstellung Verbindungen zwischen Kunst und ursprünglichem Kontext her und bildet eine grenzüberschreitende Ausdrucksform..

Pulp 19 sind:

 

Inessa Babkovich, Weissrussland - Tobias Fink, Deutschland - Annina Baeger, Deutschland -

Jana Kaulmann, Luxemburg - Tom Klein, Deutschland - Nicolas Krewer, Deutschland -

Alexander Harry Morrison, Schottland - Jeongho Park, Süd-Korea - Marine Voelcker, Frankreich -

Sofia Akhmed, Ukraine - Nana Berishvili, Georgien - Katevan Tskhdadaze, Georgien -

Chenee Tabayoyong, Philippinen - Xiaoyin Wang, China

 

 

 

------------------------------------------------------------

 

 

22 März - 13 April 2019

Saeed Hani Moeller

Gymnos

 

Die Galerie Netzwerk stellt Projektarbeiten des syrischen Tänzers und Choreografen Saeed Hani Möller aus.

 

Vom 22.März bis 13. April zeigt die Ausstellung „GYMNOS“ Fotografien, Videokunst und Installationen, die in Zusammenarbeit mit Künstlern aus Belgien, Luxemburg, Spanien, Frankreich und Deutschland entstanden sind.

„Nach 26 Jahren in einer Gesellschaft, in der Nacktheit immer mit Scham und Sünde in Verbindung gebracht wurde, spürte ich in Deutschland zum ersten Mal die Freiheit, meine Tänzer und mich für meine Kunst auszuziehen“, so Saeed Hani Möller.

 

In den dreieinhalb Jahren seit seiner Ankunft in Trier tanzte Hani Möller nicht nur in zahlreichen Theater- und Kompanieproduktionen, sondern inszenierte auch zwei eigene Stücke: „One Night Stand“ und „Dem Menschen ein Wolf“. Neben ihren umjubelten Premieren in der Tufa waren sie auch auf internationalen Tanzfestivals zu sehen.

 

Im Rahmen der letzten Produktion entstand eine Fotoreihe mit Aufnahmen des belgischen Fotografen Bert van Pelt, die sich gekonnt zwischen virtuoser Zartheit und brachialer Wuchtigkeit bewegt.

 

Neben seiner Tätigkeit als Tänzer und Choreograf steht Hani Möller zudem regelmäßig als Model vor der Kamera. Das Ergebnis sind Aktdarstellungen, die durch ihre Sinnlichkeit und Ästhetik als klares Statement gegen ein System der aufgezwungenen Scham und visuellen Keuschheit zu verstehen sind. Sie sind ein Appell für einen freieren Umgang mit Körperlichkeit und Nacktheit.

 

Ergänzt werden die Arbeiten von Szenenfotos und Videos aus beidenTanzstücken sowie Rauminstallationen, die mit Unterstützung des Vereins menschMITmensch e.V. entstanden.

 

-----------------------------------------------------------

   

Jenz Dieckmann

Die Schönheit des Defekts

 

 

 

----------------------------------------------------------------------------

Markus Zender 

„Artifical Illumination“ 

 

11. Januar - 2. Februar 2019   

„Artifical Illumination“ 

 

 

Die Ausstellung widmet sich ausschließlich dem Genre Projektion, Installation und Videokunst.

Passend zur dunklen Jahreszeit ist die Galerie Netzwerk in künstliches Licht getaucht.

Der Crossover Künstler Markus Zender liebt den konsequenten Wechsel seiner Ausdrucksformen

und zeigt erstmals ausschließlich eine Auswahl seiner Videoarbeiten und Projektionen,

die sowohl zur inhaltlichen Auseinandersetzung als auch zur Raumwahrnehmung einladen.

Seine Arbeiten widmen sich den Themen: Arbeit, Markenbranding, Kapitalismus, visueller Lärm.

www.markuszender.de